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Libanon: «A Rolling Rock»

Klettern mit Flüchtlingen im Libanon – braucht es das? Haben die Menschen in ihrer Not dort nicht dringendere Bedürfnisse, als Boulderprobleme mit bunten Griffen? Dieser Frage bin ich während zehn Tagen nachgegangen, als ich die Schweizer NGO ClimbAid begleitet habe. Der Zürcher Beat Baggenstos hat einen Lieferwagen zum rollenden Boulderblock umfunktioniert, mit dem «Rolling Rock» ist er den weiten Weg von der Schweiz in die Bekaa-Ebene nahe der syrischen Grenze gefahren. Zusammen mit freiwilligen Helfern aus aller Welt sucht er damit die zahlreichen Flüchtlingscamps auf und ermöglicht den Menschen dort eine Beschäftigung abseits des gewöhnlichen Alltags, der besonders für Kinder wenig bietet. Klettern ist dort fremd und doch goldrichtig. Eine Kletterwand weckt offenbar überall dieselbe Intuition im Menschen: da will ich hoch! Wenigstens für den Moment zählt nur das und man sieht den Kindern nicht an, was sie in jüngerer Vergangenheit durchgemacht haben. Ein Junge erzählt, wie er mit seinem Bruder am Gewehr das Haus in Aleppo zu verteidigen versucht hatte. Im nächsten Moment hangelt er sich die Kletterwand hoch – ein ganz gewöhnlicher Junge, der sich über die geschafften Klettermeter freut. Der Bruder ist tot.

Hier geht’s zur Reportage im Tagesanzeiger

Und hier zum Bericht im SRF Sportpanorama

Das Projekt durfte mit Nina Caprez auf prominente Unterstützung zählen. Sie begleitete die Sessions tatkräftig, wobei ihre Begeisterung für ihren Sport sofort auf die Kinder und Jugendlichen übersprang. An den Wochenenden checkten wir die Klettergebiete im Libanon aus, allen voran Tannourine, kurvten über abenteuerliche Strassen durch einsame Berge und biwakierten auf Klippen an der Küste. Unsere Reise wird Teil des Porträtbuchs, dass ich für den Verlag Kurz&Bündig über Nina schreibe.